Motor

 




HIER ENTSTEHT EIN REISEBERICHT ZUR "TUNESIEN ENDUROTOUR 2008"

... MIT IMED, ROBERT, KALLE, SCHÖNI UND MIR ...

 

 

 




27.04.2008 - Sonntag - Von Deutschland/Würzburg nach Italien/St. Felix/Unsere liebe Frau

1:28 Stunde... hmm.. Ich sitze auf der fahrenden Maschine und sinniere noch über den gerade gelaufenen Halbmarathon... und meine Laufzeit. Eigentlich wollte ich mich ja gegenüber dem letzten Rennen in 2007 (1:27 Stunde) verbessern, aber bei dieser neuen "verwinkelten-hochrunter" Strecke... und vor einer Woche noch ne 10 km Bestzeit; dafür wars in Ordnung. Trotzdem bin ich über die nackte Zahl etwas unzufrieden. -Habe ich mir doch durch die Ironman-Vorbereitung einen besseren Wert erhofft. Auch wenn der "Halbe" aus dem Triathlon-Training raus gelaufen war. Ja - der Ironman bzw. die Challenge in Roth diesen Juli: Ein Traum bzw. "Großes Ziel" 2008 bzw. in meinem Leben! Genauso wie der Traum wenigstens einmal mit meiner Reiseenduro nach bzw. durch Afrika zu fahren! Wüste und so... und wenn es nur der obere Zipfel (z.B.Tunesien) vom schwarzen Kontinent ist! Eigentlich beißen sich die zwei großen Vorhaben: Die Tour fällt mitten in die Langdistanz-Tria-Vorbereitung und ich habe deswegen ein richtig schlechtes Gewissen: Laufschuhe und Schwimmsachen sind natürlich mit dabei, aber ich werde meinen Trainingsplan auf jeden Fall sehr sehr vernachlässigen! Aber meine Begleiter mit Guide fahren eben jetzt - und ob so eine Chance nochmal wieder kommt?? Ehr unwahrscheinlich! Und gerade bin ich dabei den Afrika-Wunsch zu verwirklichen: Seit Stunden bin ich alleine auf der Autobahn unterwegs. Unter mir die zufrieden brummende Twin. Fahrtwind am Helm. Von dem Artikel aus "Die Zeit" vom 10.03.2008 habe ich meiner Freundin und Familie lieber mal nichts erzählt: "Tunesien: Al Qaida bekennt sich zu Entführung von Österreichern." Die sind angeblich am 22. Februar 2008 verschleppt worden... Die Beine sind trotz Lauf ok. Ziel ist heute eine Pension in den italienischen Alpen (Ortlergruppe). Dort hoffe ich dann meine Reisekollegen zu treffen: Imed - Tour-Guide (da Halb-Tunesier) und Arbeitskollege mit einer Honda XRV 750, Kalle - ein Arbeitskollege mit seiner "Torro" - BMW 1150 GS, Robert - ein Freund von Kalle mit einer 850er BMW GS und "Schöni" bzw. Frank - auch ein Kollege von mir, der ebenfalls eine Africa Twin bewegt. Die sind schon alle heute früh in Nürnberg gestartet. Sie wollten sich etwas mehr Zeit lassen und noch ne Tour fahren. Verständlicherweise hatten sie keine Lust auf den Würzburger zu warten, der erst noch seinen Lauf machen will und gleich danach losfahren möchte. Um 10.00 Uhr war das Rennen. Um 14.00 Uhr bin ich tatsächlich in Würzburg losgekommen. Allerbestes Sonnen-Wetter! Und seitdem gehts immer geradeaus. Ziemlich öde natürlich. Bis sich irgendwann die Berge mit Schneegipfeln am Horizont zeigen. Auf dem Brenner-Paß wird es dann ziemlich frisch. Das letzte Stück in Kurven durch die Berge: Keine Menschenseele mehr zu sehen, dunkel, Arschkalt ...und wo ist jetzt endlich dieses blöde Nest "St. Felix"!?! Nach sieben Stunden, ca. 600 km, zwei Pausen und einem Tankstop bin ich endlich angekommen! Freude - so "weit weg" wieder bekannte Gesichter zu sehen! Richtig fremd fühle ich mich hier allerdings nicht - alle Bewohner hier sprechen deutsch! Die anderen sind schon einige Stunden da und haben sich schon Sorgen gemacht. Endlich was warmes zu futtern! ...und Rotwein natürlich. Morgen gehts nach Genua!


28.04.2008 - Montag -  Von Italien/Genua nach Tunesien/La Goulette (Mittelmeer-Fähre "Carthag")

08:10 Uhr. "Sahara 2008" steht auf dem Alukoffer von Imeds Maschine - da wollen wir hin! Wir starten von unserer Unterkunft. Es wird wieder ein harter Tag für das Sitzfleisch werden! Die Moppeds der anderen sind ziemlich beladen für den zweiwöchigen Trip. Hab ich irgendwas wichtiges vergessen? Ich habe wirklich versucht nur das nötigste mitzunehmen. Die Twin sollte möglichst wenige zusätzliche Pfunde über eventuelle Geländepassagen schleppen. Unser heutiges Ziel ist der Mittelmeerhafen Genua. Von dort wird unsere Fähre nach Tunesien/La Goulette ablegen. Es ist noch kalt als wir uns durch Kurven und Kehren den Gampenpaß bergabwärts schwingen. Die Aussicht über die unter uns liegende Landschaft ist wirklich toll. Dann gehts es wieder auf die Autostrada und mit nur einem Tankhalt nonstop nach Genua. Wir wollen um 14.00 Uhr dort sein, da wir die Information haben, das dann Ladestop sein könnte. Wir fahren meist in einer versetzten Reihe auf der Autobahn. Wiedermal ziemlich monoton natürlich. Plötzlich fährt der führende "Navigationschef" von der Autobahn ab. -Leider schaffen es Schöni und ich, die direkt dahinter fahren, nicht mehr so schnell zu reagieren. Die beiden anderen warten an der Ausfahrt. Na toll! Da die nächste Ausfahrt unergründlich weit weg ist, entscheiden wir uns für eine "atypische" und schnelle Lösung (bei der der Pannenstreifen ein wichtige Rolle spielt...). Nach sechs Stunden Fahrt, kommen wir pünktlich in Genua an. Enge unsympatische Betontunnel führen uns in Kurven bergab Richtung Hafen. Dort angekommen haben wir noch Stunden Zeit und essen erst mal was. Die umliegende Stadt wirkt etwas "Slum-ähnlich". Auch das anwesende uniformierte "Sicherheitspersonal" wirkt durch sein Aussehen und sein Verhalten alles andere als vertrauenswürdig: Security, Polizei oder verkleidete Mafiosi - alles scheint möglich. Beim Toilletenbesuch gibt es erste Kontakte mit Fremdartigen Gewohnheiten: Keine Schüssel sonder ein Loch im Boden. ...ok, so dringend wars doch nicht! Bei der Hafenpolizei lassen wir uns einen Stempel auf eine schicke Braune Karte machen. Der erste von vielen vielen "wichtigen" bürokratischen Akten. Dann dürfen wir endlich unsere Maschinen einladen und verzurren (mit vorhandenen Zurrgurten). Die neben uns parkenden Autos sind teilweise übelst überladen. -Federweg an der Hinterachse?? -Teilweise wundert man sich, daß sich das Rad noch drehen kann! Nach zähen Verhandlungen mit dem weiblichen Schiffspersonal am Infoschalter beziehen wir eine Mini-4er-Kabine. Robert muß bei Fremden in einer anderen Kabine unterkommen. Formalitätenmäßig gehts jetzt zum erstenmal ans Eingemachte: Wir müssen drei Kärtchen ausfüllen. Diese sind aber nur in französich und arabisch bedruckt! (Tunesien war im 19./20. Jahrhundert eine französische Kolonie.) Dank Schöni und Kalle wird die Hürde aber gemeistert. Anschließend werden die Karten beim Polizeischalter und dann beim Zollschalter, welche sich auf dem Schiff befinden, vorgelegt. Die Maschine wird bei der Einreise in den Reisepaß (-Pflicht bei Individuallreisenden) eingetragen und bei der Ausreise (mit Motorrad) wieder gestrichen. Das ganze Prozedere ist natürlich mit einer langen Wartezeit verbunden. Die anderen Wartenden sind ein bunte Mischung aus Arabern und reisenden Europäern. Teilweise wird geraucht - dabei sind doch da diese Verbotsschilder ("Defense de Fumer") auf dem Schiff.... egal.  
Um sechs Uhr legt die Fähre ab. Wir speisen arabisches Kantinen-Food und vernichten anschließend Kalles leckere Weinvorräte.


29.04.2008 - Dienstag - Von La Goulette nach Nabeul

Nach einer gut verbrachten Nacht sind wir noch immer an Bord der "Carthag" - und verzichten angesichts der Preise und des gebotenen auf ein anständiges Frühstück. Naja. Leicht verschnupft (Erkältung? Allergie?) sitze ich mit den anderen auf dem Pooldeck des Schiffes und genieße die Sonne. Das Wetter ist richtig gut und die See (Gott sei Dank) ruhig! Gegen 15.00 Uhr ist Ankunft in La Goulette! -Endlich Afrikanischer Boden! Als wir dann endlich in die Hafen einfahren sind sofort die ersten kulturellen Unterschiede zu erkennen: Überall Minarette über der Stadt. Wir wollen von La Goulette nach Nabeul fahren. Dort können wir bei einem Onkel von Imed übernachten. Vom Schiff runter und irgendwie schon eine ganz andere Welt - alles ist anders! Ein bischen was von TV-Doku: Sonne, trocken, staubig, das Stadtbild zwischen runtergekommen und Moderne. Aber der Reihe nach: Nach dem verlassen des Laderaums werden wir von (zahlreichst) vorhandenen Polizisten kontrolliert. Die Kontrollen waren oberflächlich (na gut - bei uns Euro-Touris) und gaaaaanz wichtig: Die doofen Enduro-Touristen immer mit übertrieben großer und hektischer Geste weiter winken. Allerdings gabs dabei auch Lichtblicke: Schlanke, hoch bestiefelte Polizistinen mit sehr (!) strengem Blick... In der Stadt dann überall Polizei. Die Uniform wirkt etwas "billig", wie Verkleidung. Arabisches Verkehrschaos in der Innenstadt: Alles ist voll, laut, eng und sehr warm. Klar fallen wir durch Moppeds und Kleidung auf und werden dementsprechend beobachtet. Schöni hat gleich eine unfreundliche Begegung als ihm ein Fußgänger ohne erkennbaren Grund "Fuck you" zuruft. Meistens wirken die Leute aber aufgeschlossen und sehr freundlich auf uns. Von riesigen Werbetafeln blicken europäische oder zumindest hellhäutige Gesichter auf uns herab. Auch die Mädels sind offenbar interessiert an fremden Enduroreisenden: Oft wird nach ein paar Sekunden des herschauens gleich gewunken und geflirtet.- Als Single wär`s hier bestimmt interessant ;) Imed hatte uns vorgewarnt: Verkehrsregeln sind meist nur auf dem Papier vorhanden! Ampeln werden z.b. nur als grober Anhalt wahrgenommen. Oft wird der Verkehrsstau durch entschlossen pfeifende Polizisten verwaltet. Dann sind wir auf der Autobahn nach Nabeul und es wird übersichtlicher. Die Landschaft ist ehr eben und trocken, oft aber auch grün eingefärbt. Hennen, Esel, Pferde und Leute tauchen mitten im nichts an der mehrspurigen Straße auf. Teilweise reagieren die Tunesier auch ganz unfreundlich auf uns: Ein LKW zieht während wir in links überholen nach links auf unsere Spur. Allerdings sind die Fahrer auch teilweise vollauf mit ihrem Handy beschäftigt, als das sie sich auch noch auf den Verkehr konzentrieren könnten. Nabeul wirkt auf mich oft dreckig durch die vielen wilden Müllablagerungen überall in der Stadt. Die Stadt ist allerdings nicht so überfüllt wie La Goulette. Wir und unsere Maschinen kommen hier bestens bei Imeds Onkel unter. Bevor wir für heute Feierabend machen, entführt uns Imed noch auf eine kurze Offroad-Tour ins Umland. Auf derben und teilweise sehr sandigen Feldwegen begegnen uns typisch tunesische Fortbewegungsmittel: Selbst zusammengedengelte Eselkarren z.B. Schnell stellt sich heraus, daß die "Tourance"-Reifen von Kalle nicht der Hit auf solchem Untergrund sind. Robert fährt zwar ähnlich straßenorientierte Reifen, macht dies aber durch Fahrkönnen (und Wagemut) mehr als wett und uns vier diesbezüglich ganz schön was vor! Schöni, Imed und ich haben uns lieber mal für den "Enduro 3" entschieden. Apropos Wagemut: Eine Halfpipe ähnliche natürliche Rampe wird von Robert gleichmal angetestet: Ein kuzer Anlauf und Robert plus Gummikuh (mit Koffern!) befinden sich ein bis zwei Meter in der Luft!! Total verrückt der Kerl :-) - Gibt aber tolle Bilder! Und weils so schön war gleich nochmal! Von der Reaktion der 850er BMW auf die "Night of the Jumps" Aktion wird an späterer Stelle berichtet ... Es wird langsam dunkel: Moppeds im Sonnenuntergang. Riesige Kakteen, kreuzende Rindviecher und das erste Kamel runden unseren ersten Geländeausflug ab. Zurück in Nabeul halten wir bei einem "Nußfachgeschäft": Alles was kernig oder nussig ist kann man hier kaufen! Sehr zu empfehlen! Die Kinder sind besonders von Kalles hochgerüsteter Touratech-BMW angetan. "Zuhause" angekommen werden wir von Imeds Tante fürstlich bekocht: Fritierte Hähnchenteile, gemischter Salat mit Thunfisch, scharfe Peperoni Soße mit Harissa, dazu Pommes und Weißbrot! Ich bin sowas von zufrieden! Harissa ist ein typisches Gewürz und sollte nur in kleinen Mengen verzehrt werden: SCHARF !!!!! Brennt garantiert zweimal und beim abschließenden Burnout ganz ganz furchtbar! (Fünf Schiffchen!)


30.04.2008 - Mittwoch - Von Nabeul nach Chebba

Strahlender Sonnenschein und blauer Himmel über den weißen (na gut oft auch grauen), eckig wirkenden Häusern von Nabeul. Mein komischer Schnupfen läßt mich immer noch nicht los. Imeds Tante hat für uns Frühstück gemacht: Unter anderem steht da ein Teller mit braunen Kokonähnlichen Objekten. Hat aber gar nichts mit Insekten zu tun, die Teile sind sehr lecker - aber auch sehr süß. Zuckerzeug scheint in Tunesien sowieso ziemlich beliebt zu sein. Wir kommen erst um zehn Uhr los und fahren gleich mal tanken. Unser erster Tankstop in Tunesien. Während wir unsere Gefährte an der Mobiltanke volllauffen lassen, ist Imed um die Ecke Geld wechseln (aber dazu später mehr!). Ein Musterbeispiel für die "andere" Lebenseinstellung hier ist der Tankwart der uns bedient: Der freundliche Mann im Mobilserviceanzug lehnt lässig an der Tanke und läßt mit der einen Hand den Sprit in die Honda - in der anderen die Kippe! Direkt daneben das Schild "Defense de Fumer". Einfach schön. Imed kommt mit unserer gewechselten Kohle zurück: Soooo viel Spielgeld in bunten Scheinen :) Wir fahren die nördöstliche Halbinsel ab: Korba, Menzel, Temime und El-Haouaria sind die größerern Stationen. Wann immer wir eine Pause einlegen ist vor allem die Jugend an uns interessiert. Alle super freundlich und offen - aber natürlich auch super cool mit Sonnenbrille, Fotohandy und 1a rausgestylt. ...nur die Aldiletten passen nicht so ganz dazu. Und immer wieder Kontraste für unsere Augen: Handy und Satellitenschüssel hier, Pferdekarren und Eselreiter dort. Arabische Festung am Meer mit tollem Ausblick, Müll überall vor den Füßen. Da wir endlich voran kommen wollen (nach Süden) benutzen wir teilweise die Autobahn. Grombalia, Hammamet und Sousse sind größere Wegpunkte. Wir verlassen den Highway und fahren eine gut befahrene Hauptstraße entlang, die bei uns einer Bundesstraße gleich käme. Die Straße führt geradewegs in ein Dorf und plötzlich ist die Hauptstraße keine mehr, sondern mutiert zum Markt! - Immer mehr Menschen und Verkaufsstände in dem Ort machen den Weg immer schmäler! Schließlich ist es wie eine Fahrt durch eine Fußgängerzone beim Sommerschlußverkauf. Echt lustig! Keine Ahnung wo plötzlich die ganzen Autos die eben noch mit uns unterwegs waren geblieben sind. Aber Autos ist oft übertrieben: Lieblingstransportmittel ist das 2-Takt-Mofa! Diese scheinen meistens viel (!!) älter zu sein als ihre Fahrer! Auf diesen Geräten wir fast alles Transportiert! Kinder z.B.: Eins auf dem Lenker, eins auf einem Obstkistchen hinter der Sozia, plus Fahrer. Natürlich alle ohne Helm. Nachts auch gerne ohne jedes Licht! Das trifft aber auf viele Motorfahrzeuge hier zu. Kühe werden auf Pickups verladen. Schafe ebenso, allerdings doppelstöckig. Heulaster sind doppelt so hoch beladen wie sie selbst hoch sind. Wir machen einen Abstecher zur Küste. Irgendwann wird der Weg zu schlecht und steil für Kalle (außerdem hat er die kürzesten Beine und wahrscheinlich die schwerste Maschine von uns) und wir fahren das letzte Stück zum Meer zu viert. Ziemlich idylische Kulisse: Schroffer brauner Fels, Kieselstrand, grünblaues Wasser und blauer Himmel. Ein paar Leute sind baden. Das Bild mit der beladenen Twin drauf könnte direkt für einen Werbeprospekt herhalten. Aber da die Enduro nicht mehr gebaut wird gibts auch keine Prospekte und wir fahren den groben Trail zurück zu Kalle. Jeder darf mal im Abstand die tolle offroad-Steigung hochstauben, während uns Kalle filmt ... jaaa :) In einem netten Küstendorf machen wir Mittag: Lecker Fisch, scharfer Gemüsebrei, Pommes, Weißbrot und Harissa natürlich. Der "Streifenwagen" der vor dem Lokal parkt ist echt der Hit: Ein alter Renault 19 in weiß ohne Blaulicht o.ä. An der Seite ein schlecht aufgesprühtes "Police", verbeult, Roststellen, kaputte Lichter und fehlende Teile.  - Geiles Gerät! Wir ziehen wieder los und es wird nochmal lustig: Ein Schulbus den wir überholen wird "feindselig" und die Kids bewerfen Schöni und mich mit Zeugs (Radiergummis oder so) aus allen Rohren! - Wie nett! Die Weiterfahrt führt uns vorbei an einem super erhaltenem römischen Kolosseum. Kurz vor unserem Tagesziel liegt in einem Nest ein total nackter Mann auf der Straße (auf dem Rücken). Die Einwohner stehen außenrum und gucken... Laut Imed ein Verückter!? Angeblich sei das in manchen Gegenden ein Trick um die Touris zum anhalten zu bewegen - um sie dann auszurauben. Naja. Die Überholmanöver der Leute sind teilweise absolut bescheuert und sinnlos! Überholen trotz nahendem Gegenverkehr und/oder sich in unser Motorradgruppe reinpressen ist z.B. recht beliebt.
Endlich sind wir in Chebba, das uns mit einem drohend schwarzen Himmel empfängt. Wir haben ca. 450 km heute runtergerissen. Mir hing immer noch der Rotz in der Nase und der Hintern tut weh - Aua!! Wir werden von Imeds Opa und Oma liebvoll empfangen! Außerdem sind noch andere Verwandte mit Kindern da. Nachdem wir abgeladen und unser Quartier im Nachbarhaus (ganz für uns alleine) bezogen haben, gehen wir erstmal essen! Im "In-Lokal" des Ortes ist Fußball-TV die Nummer 1. Eine stilechte tunesische Frutti de Mare Pizze rundet meinen Tag ab. Das Essen ist gut und mal richtig günstig: Wir zahlen ca. 23 EUR für das komplette Essen und Trinken von fünf Männern! Später dann in der Nacht:
Schöni und ich betten uns auf unser Partnerschlafgemach - gute Nacht!


01.05.2008 - Donnerstag - Chebba
 
So, heute ist ein viel besserer Tag, weil mein Schnupfen viel besser ist. Zwar habe ich noch etwas Naselaufen, aber kein Vergleich zu gestern: Da hab ich mich gar nicht gut gefühlt und Rotznase und Niesen im Helm ist auch nicht so toll. Außerdem konnten wir uns heute mal richtig ausschlafen. Wir machen eine Tour zum Strand in der Nähe, während Imeds Oma für uns Mittagessen kocht (sehr nett!). Dort gibts wieder kurzen Sandkontakt und noch eine Offroad-angehauchte Fotoseasion. Wir kommen am Fischerhafen vorbei und Kalle schließt Freundschaften mit den Netzeknüpfenden Fischern. Zurück bei Oma und Opa kommt noch mehr Verwandschaft und es gibt erstmal Essen: Kus-Kus mit Fisch und Gemüse, dazu "Boga" (Limo mit Plastikgeschmack) und arabisches Coca Cola. Mein Geschmack ist es ja nicht so. Nach dem unsere Bäuche voll sind macht Schöni eine folgenreiche Entdeckung an der GS von Robert: Ein Getriebeaufnahmepunkt aus Guß-Aluminium ist gebrochen. Kühe sind halt nicht zum Fliegen gemacht! Zumindest die von BMW ;) Das Teil ist zwar nicht tragend, aber zumindest unterstützend nötig. Mangels einer BMW-Meisterwerkstatt in Chebba machen wir uns auf den Weg zum Dorfschmied um das Problem zu beheben. Schließlich wollen wir die Reise Heil zu Ende bringen. Allerdings könnte sich wahrscheinlich jede BMW-Klitsche mal mehrere Scheiben von der Arbeitsmoral des örtlichen Blechbadschers abschneiden: Der unterbricht sofort seine momentane Arbeit und es wird hochmotiviert und mit Improvisationstalent drauflos geschraubt. OK, die Touris haben natürlich auch a bissl Geld dabei. Dieser Stop beim Schmied ist wirklich einer der unfreiwilligen Höhepunkte der Reise! Bei der Werkstatt handelt es sich wie bei den meisten Geschäften aber nicht um einen Laden wie wir es kennen, sonder einfach um ein "Loch" in der Wand: Ein Raum mit allem drin. Dort wird alles an Maschinen, Arbeitsgerät u. ä. so lange repariert bis es wirklich nicht mehr zu gebrauchen ist. Oder "neu" hergestellt. Ein Schweißgerät ist zwar vorhanden, aber das gebrochene Teil ist aus Alu. Alu läßt sich aber nicht "normal" schweißen: Der Schmied zählt seinem Stift ein paar Münzen in die Hand und der macht sich mit dem Rad auf den Weg. Nach ein paar Minuten kommt der tatsächlich mit Alu-Schweiß-Stiften zurück. - Man bedenke, das wir hier in einem Tunesischen Dorf sind, und die Heißreparatur von Aluminum hier keineswegs zum Tagesgeschäft gehört: Eisen und Stahl ist hier Standard. Der Meister und sein Gesellen machen sich ans Werk (gerne auch ohne Augenschutz!). Irgendwann ist die Schweißnaht dran.. Allerdings will die Rahmenschraube gar nicht mehr in den Aufnahmepunkt. Die Stimmung ist gedrückt und Kalle nervt etwas mit "was, wenn und dann..." Es wird nicht besser: Langsam aber sicher wird ein Punkt nach dem anderen an Roberts Motorradrahmen gelöst um Spielraum für diese Schraube zu bekommen. Robert schaut zum Schluß lieber nicht mehr hin: Mit Hebeln und Montiereisen wird an seiner BMW rumgewuchtet. Wahrscheinlich fahren wir heute gar nicht mehr weiter: Ist schon 16:15 Uhr. Einen großen Vorteil hat die Zwangspause allerdings: Wir kommen mit den Leuten (meist Kids) in Kontakt. Für die sind wir natürlich großes Kino! Teilweise bildet sich eine Menschentraube an der Straße. Wir machen ein Paar Bilder mit den kleinen und ich muß Ibrahim Elami (eines der Kinder) versprechen im auch Post aus Deutschland zu schicken: Er hat mitgekriegt das ich Karten nach Hause schreibe. Das will ich natürlich auch einhalten! Ich habe zwar in einem "Schreibwaren"-Geschäft Karten (teils ein paar Jahrzente älter) und Briefmarken bekommen, aber oft scheint das hier nicht verlangt zu werden. Plötzlich wieder mal ein typischer Kontrast: Ein riesiger gelber GM Hummer Jeep in Safariausführung kommt die Straße entlang. Ich mache alleine eine langsame Tour durch den Ort. Vor einer "Bulldog-Werkstatt" mache ich halt. Ein halber Uralt-Schlepper steht vor der Höhle. Ich werde gleich hereingebeten. Drinnen schraubt der Chef gerade an einem weiterem halbiertem Exemplar. Ich schätze die Geräte auf ca. 50 Jahre. Zurück bei den Anderen werfen wir auch mal einen Blick hinter die Schrauber-Kulisen: Geordnetes Chaos trifft es wohl ganz gut. Eine Mischung aus Lager und Werkstatt. Aber solange es funktioniert... Mittlerweile hat sich der Schmied Unterstützung geholt: Imed sagt uns, der Mann sei der beste Zweiradmechaniker der Stadt. Das Gefährt mit dem der Meister unterwegs ist bestätigt dies: Unglaublich, das dieses Teil (die Reste eines MBK Rollers) noch fährt ;) Imeds Opa schaut auch mal mit seinem heißen Ofen vorbei: Das blaue Mofa ist gut in Schuß, made in France und Baujahr 1959! Endlich ist es vollbracht: Die Cheffigen Mechanix haben eine fette Schraube + Schweißnähte + Verstärkungsblech montiert. Das hält wahrscheinlich besser als vorher. - Hat auch viereinhalb Stunden gedauert mit vier bis sieben Arbeitern. 70 Denar (+20 Trinkgeld) hat die Reparatur gekostet. - Etwa 40 Euro! Der Schmiedegeselle mußte drei mal los um Teile zu holen. Zum Schluß kommt mir noch eine Idee: Wir lassen die Hauptakteure auf dem Verstärkungsblech unterschreiben. Ein würdiger Abschluß! Wir sind alle heilfroh, das die das Teil hingekriegt haben und bedanken uns!! Wir fahren nach Hause. Wäsche waschen. Nachdem Imed noch eine Oldie-Mofaspritztour mit seinem Opa gemacht hat (geiles Bild: Imed in Moppedklufft sitzt vorne) ist es Zeit fürs Abendessen: "Gyros" mit Thunfischsalat und Gemüse - bei (wieder) guter Stimmung!
 
 


02.05.2008 - Freitag - Von Chebba nach Douz
 
Hallo! Ich sitze gerade bei Palmen und Sand unterm Wüstennachthimmel :) ... Aber zuerst mal zu heute morgen: Wir sind tatsächlich um 08:00 Uhr losgekommen in Chebba. Vorher gabs noch Frühstück bei Oma und Opa plus einen kleinen Ausflug in den (Obst-) Garten der Familie Kerkeni nebenan: Während die Sonne endgültig am Himmel steht, läß eine Frau eine Schafherde an dem Grundstück grasen. Kinder sind auf dem Weg zur Schule und Eselfuhrwerke unterwegs. Unser Weg wird uns heute über Sfax, Mahrez, Gubes und Matmata nach Douz führen. Unterwegs gibt es wieder einiges zu sehen bzw. zu fotografieren. Robert und ich haben uns angewöhnt auch während der Fahrt Bilder zu machen: Die Kamera hängt dabei zur Sicherheit um den Hals und so manches Highlight auf der Stecke ließe sich gar nicht anders festhalten: Der Tunesische Warentransport zum Beispiel. Ein Esel auf der Ladefläche eines Pickup ist für uns einfach ein ungewöhlicher Anblick. Oder zwei Esel. Ein Lastwagen ist mit Strohballen beladen. Exakt doppelt so hoch wie der LKW selbst. Wir machen eine Pause an einem Cafe. Ein Armeelastwagen steht davor. Wir lassen uns den Arabischen Kaffee und süße Teile schmecken. Die Soldaten genießen offenbar auch Ihre Pause. Wir fahren weiter. Die Landschaft hat sich unterwegs stark gewandelt. Von Dörfern, Menschen und grün zu immer weniger. Nun ist sie oft sehr flach und karg. Manchmal noch kleine Bäume. Wir kommen durch ein Dorf, dessen Haupterwerbstätigkeit offenbar im Schlachten von Schafen besteht: Rechts und links entlang der Hauptstraße hängen die toten Tiere vor den Geschäften. In einem anderen Dorf werden ausschließlich Wasserkanister die zu Pyramiden gestappelt sind zum Kauf angeboten. Mir erscheint es seltsam, das in einem Ort oder an einer Strecke oft von allen das allergleiche Produkt angeboten wir. Der Wirtschaftliche Vorteil will mir nicht einleuchten. Immer wieder kommen wir an Polizei-Checkpoints vorbei. Wir tanken nochmal und das "Wüstenflair" steigt sprunghaft an: Die Tanke ist voll mit Geländewägen aus aller Welt die Sponsoraufkleber tragen und für den großen Offroadtrip ausgerüstet scheinen. Ich tanke mit 18 Litern voll und zahle 22,5 Denar (Ganz grob die Hälfte davon entspricht dem Euro-Betrag). Die Gegend wird nun bergig, sehr kahl und karg. Die Strecke windet sich. Robert fährt hinter mir. Wir sind kurz vor Matmata als ich einen Unfall habe, der Gott sei Dank glimpflich verläuft: Ich bin zu schnell in einer Rechtskurve die sich zu zieht. Statt mich auf dem äußerst rauhen und groben Straßenbelag voll in die Kurve zu legen, bremse ich. Fatal. Panik. Mehr bremsen. Ich komme auf die Gegenfahrbahn und mich legt es mit der Maschine im sehr groben Straßenrandgeröll hin. Zum Glück kam kein Gegenverkehr!! Zum Glück gings da nicht runter in ne Schlucht!! Zum Glück hatte ich beim Sturz nur noch Schrittgeschwindigkeit drauf!! - Scheiß-Gefühl. Mir wird wiedermal bewußt, das Motorradfahren eine riskante Sache ist. Ich habe mich nur am linken Schienbein angeschlagen. Die Honda hat offenbar nix abbekommen - dank Sturzbügel und Topcace. Sie liegt auf der linken Seite im Geröll. Keine Chance das Teil alleine aufzurichten. Das Bodenblech liegt weiter oben als die Scheibe... Der Robert hat mich beim "rausfahren" aus der Kurve innen überholt. Offenbar hat er es gar nicht mitbekommen. Tja. Gut das zwei bis drei Minuten danach ein Reisebus anhält. Mit drei Männern können wir das Teil aufstellen. Es ist nur etwa ein halber Liter Sprit ausgelaufen. Danach ist mir wiedermal etwas bedenklicher zu Mute. Was wäre wenn... Die anderen haben die Sache gar nicht mitbekommen. Wenn ich irgendwo zerschellt wäre und keiner sieht einen von der Straße.. Robert erzählt mir später, er habe gedacht, ich fahre in der Kurve zum Fotos machen raus. Wäre ganz schön "lässig" gewesen einfach quer aus der Kurve rauszufahren zum knipsen. Glück gehabt. Wir sind in Matmata und die Buchstaben des Ortes stehen wie die HOLLYWOOD-Lettern groß auf einem Hügel. - Fotoshooting. Trostlose Hügel soweit das Auge reicht. Wir machen Mittag in dem Ort. Es ist zwar ein teures Touristen-Lokal, aber Imed handelt den Preis von 70 auf 40 Denar runter. Anschließend schauen wir uns noch die Erd-Behausungen an: Ganze Wohnungen wurden hier früher in den Erdboden bzw. in die Hügel gegraben. Wir fahren durch die immer Wüstenähnlichere Umgebung weiter Richtung Douz. Auch die Beschilderung paßt sich an: "Attention Camels crossing!" Kurz darauf laufen auch schon die ersten freien Exemplare über die Straße.
 
Wir machen einen Fotostop bei den Tieren mit dem Höcker. Nach kurzer Zeit kommt ein Mann mit Turbanählichem Tuch um den Kopf irgendow aus dem nirgendwo der Steppenwüste angerannt. Er ist wohl der Kamelhüter hier und will nach dem rechten sehen. Er ist klein. Sehr klein. Kleiner als Kalle ;) Netterweise stellt er sich zu uns für ein Deutsch-Tunesisches Gruppenbild. Danke! Wir fahren weiter. Und dann sind wir da: Douz - das Tor zur Wüste! Und es gibt tatsächlich ein großes Tor. Und dahinter nur Sand.
 
Nun sind wir wirklich in der Wüste -Sahara- angekommen.
Ich konnte es mir eigentlich nicht vorstellen und so richtig hab` ich es noch nicht realisiert - aber hier hört einfach alles auf und NUR noch SAND - Dünen bis zum Hoizont. Mit Kamelen und manchmal rumliegenden Knochen - Vollausstattung! Natürlich waren wir gleich mit den Moppeds im Sand unterwegs (nur Kalle verzichtet aufgrund Tourance Bereifung und kurzer Beine:) War Toll!! Sandfontänen produziert (sog. Sandstrahlen) und gleich mal die Honda eingegraben: Ein Ständer ist nicht mehr nötig zum abstellen. Aber Gas ist wohl die beste Medizin im Sand.
....
 
 
 
 

03.05.2008 - Samstag - Von Douz nach Tozeur

04.05.2008 - Sonntag - Von Tozeur nach Sbeitla

05.05.2008 - Montag - Von Sbeitla nach Tabarka

06.05.2008 - Dienstag - Von Tabarka nach Nabeul

07.05.2008 - Mittwoch - Nabeul

08.05.2008 - Donnerstag - Nabeul

09.05.2008 - Freitag - Von Nabeul  nach La Goulette

10.05.2008 - Samstag - Von La Goulette nach Italien/Genua (Mittelmeerfähre "Habib")

10.05.2008 - 11.05.2008 - Samstag/Sonntag - Von Italien/Genua nach Deutschland/Bad Windsheim


Gesamt-km: 4536 km

Tankstops: 16


 
 
 
 
 

 
Meine Fahrzeuge/My cars:
 

 

 

 

 
Bus/Van:
 
GMC Truck (USA)
Safari SLX 2WD
1995 Produziert/Produced
8 Sitze/Seats
4293 ccm
200 PS/HP
Benzin/Petrol
Automatic 4 Gang/Gear
1950 kg
0-100 km/h: ?
165 km/h Vmax
215/75/R15 Reifen/Tires
Weiß/arctic white
 
Ausstattung:
 
SLX, zwei klappbare, verschiebbare u. herausnehmbare 3er Sitzbänke, 4850 L. max. Ladevolumen, 745 kg max. Zuladung, dreiflüglige Heckklappe, Klima, GRA, el.FH, Airbag, ABS.
 
Originalzustand.
 
 
 
 
Auto/Car:
 
Seat (Spanien/Spain)
Leon TopSport R-TDI
2003 Produziert/Produced
5 Sitze/Seats
1896 ccm
170 PS/HP
Diesel
6 Gang/Gear
1431 kg
0-100 km/h: 8,9 sec.
215 km/h Vmax
225/45/R17 Reifen/Tires
lavarot/lavared
 
Ausstattung:
 
Sportausstattung, Climatronic, GSHD, GRA, MAL, CDR, BC, ABS, ESP, HBA.
 
Tuning:
 
Nach dem Einbau eines Sportfahrwerkes von "Sachs Performance" wurde auch das Aussehen verändert: Front- und Heckstoßfänger sowie die Auspuffanlage des Topmodels "Seat Leon Cupra R 20VT" wurden angebracht. Die in Wagenfarbe lackierte Bremsanlage arbeitet nun hinter den Anthrazitfarbenen 17" Felgen des "Leon FR". Geänderte Schriftzüge.

Ex-Fahrzeuge:
VW Golf II CL, VW Golf II GTI G60 Edition One, Toyota MR2 Turbo, VW Golf III GTI TDI 20 Jahre, Honda Transalp XL600V, Honda Africa Twin XRV750.

 


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